"Ich will auch spinnen"

Hört Ihr auch eine leise Stimme, die Euch zuflüstert „Ich will auch spinnen!!“?

Ich bin selbst im Grunde noch Anfänger, spinne nur „normale“ Garne, kein Art Yarn oder Sonderformen wie Cablés oder ähnliches. Doch auch beim Spinnen einfacher Garne kann man schon viel Spaß und Abwechslung haben. (Wer sich dennoch für Art Yarn interessiert, kann mal einen Blick auf Utes Coils werfen.)

Der Einstieg ist gar nicht so schwer, wie man meinen möchte!

Ich selbst habe den Appetit aufs Spinnen eher zufällig gefunden, nämlich über ein Buch, das ich mir eigentlich fürs Färben gekauft hatte und das zu meinen absoluten Lieblingsbüchern zählt: das The Twisted Sisters Sock Workbook: Dyeing, Painting, Spinning, Designing, Knitting.

Twisted Sisters Sock Workbook

Spinnen lernen kann man damit zwar nicht, aber es zeigt die Vielfalt an Garnen, die man aus einem oder zwei Kammzügen herausholen kann! Mir war sofort klar, das muss ich auch können!

Aber auch wer es nicht sooo bunt mag wie ich, kann am Spinnen Freude finden – das beste Beispiel ist Ingrid!

Da es hier im eher ländlichen Raum weder die Möglichkeit gibt, Räder zu testen oder einen Kurs zu besuchen, musste ich mich selbst informieren – ich bin da auch relativ furchtlos ;-)

Welches Spinnrad?

Ich hatte überhaupt keine Ahnung – und das Angebot an Spinnrädern ist riesig (Majacraft, Kromski, Lendrum, Henky, Louet, Ashford… um nur die bekanntesten Marken zu nennen). Ich wußte, dass drei meiner Lieblingsblogger (Kris, Victor, Jared) auf einem Kromski Minstrel spinnen und habe mich dann eigentlich nur informiert, ob es ein „Allround-Rad“ ist – und das ist es wirklich! Daher kann ich zu anderen Marken auch gar nicht viel schreiben.

Mir scheint nur eines wichtig: Kauft Euch kein Billigrad, insbesondere kein antikes. Ein Spinnrad muss leichtgängig sein, zu den Markenrädern gibt es Foren im Internet, in denen Ihr Euch informieren könnt, es gibt Zubehör und Ersatzteile. Den Kauf müßt Ihr auch nicht scheuen, wenn Ihr das Spinnen erst einmal ausprobieren möchtet. Der Preisverfall bei gebrauchten Rädern ist nicht allzu hoch und man kann Räder relativ gut wieder verkaufen.

Wenn Ihr Bekannte habt, die spinnen, könnt Ihr natürlich auch bei diesen das Rad testen oder Ihr besucht mal eines der vielen Spinntreffen oder einen Kurs, um Euch über Räder zu informieren. Zu guter Letzt gibt es auch die Möglichkeit, ein Spinnrad zu leihen, zum Beispiel beim Wollschaf (Ashford und Louet z.B.)

Wie starten?

Viele starten zunächst mit einer Handspindel. Das ist sicher der billigste Weg, aber auch der mühsamste. Das Spinnen mit der Spindel ist mit dem aud einem Rad nicht zu vergleichen! Mir ging es viel zu langsam… Und um das Spinnen zu lernen, ist es absolut nicht notwendig, sich mit einer Spindel abzumühen.

Wenn Ihr nicht die Möglichkeit habt, bei einer Freundin die ersten Handgriffe abzuschauen oder einen Kurs zu besuchen, nicht den Mut verlieren! Es geht auch ohne!

Bei Youtube gibt es viele gute Videos, z.B.

Außerdem gibt es zahlreiche und auch preiswerte Bücher, die einem den Einstieg erleichtern. Leider ist der Markt für deutschsprachige Bücher sehr karg.

Ein Buch, um sich Appetit zu holen. Weniger geeignet, um die Grundlagen zu lernen:

Creative Spinning Kreativ spinnen

Echte Grundlagenbücher sind die folgenden zwei:

Start Spinning hands on spinning

Alle Fragen zum Thema Spinnen, vom Spinnradaufbau bis zum Designergarn beantwortet „Spin Control“ – es ist meiner Meinung nach aber nicht so sehr geeignet, wenn man noch gar keine Erfahrung hat.

spin control

Das beste Anfängerbuch ist für mich das Buch „Teach Yourself Visually Handspinning“. Es ist auch für diejenigen geeignet, die es nicht so mit der englischen Sprache haben, weil es eben ein Bilderkurs ist:

teach youself visually handspinning

Mir haben vor allem die folgenden Tipps geholfen

  • Faservorbereitung: Direkt aus einem Kammzug spinnen ist für Anfänger schwierig. Wenn man die Fasern vorbereitet und quasi auflockert, fällt die Kontrolle über die Fasern leichter (Stichwort „Predrafting“ – auch für die Youtube-Suche).
  • den Einzug so einstellen, dass die Fasern gerade noch eingezogen werden (bei zu starkem Einzug reißt der Faden leichter)
  • die Fasern halten wie ein „zerbrechliches Vöglein“
  • zum Starten empfehle ich Superwash-Fasern, ganz einfach weil sie durch die Vorbehandlung leichter rutschen

Ich hoffe, meine persönlichen Erfahrungen und Tipps helfen Euch ein bisschen weiter! Noch ein Ratschlag: Startet gleich mit schönen Fasern, denn die Ergebnisse sind relativ schnell verwendbar und das Üben macht gleich viel mehr Spaß! So schwer ist es nicht wie Ihr an meinem ersten Garn sehen könnt!

4 Responses

  1. Rena

    Hallo bin doch tatsaechlich dem Spinnen verfallen, Spinnrad eingetrudelt ein Schacht Ladybug, herrlich laeuft wie Butter, die Handspindel ruft mich oefters, geht besser, aber ein Meister muss ueben und nun bin ich der Lehrling.
    Hab mir von einem Schafscherer 3 Rohvliese gekauft und wasche jede Woche einen Teil, Finnschaf, Jacoschaf und Romneyschaf, wunderbare Qualitaet. Mein erster Kauf war eine andere Zucht, hilfe das war schmutzig, hatte keine Ahnung vom rohen Vlies.
    Das Kardieren macht Spass, Faerbe mit Naturfarben aber die Blassen so nach, der Rote Beetesaft kam gut raus. Muss mal nach so einem Buch schauen wie von Dir angegeben. Weiss nicht ob ich es bekommen kann, wohne in den USA. Wenn meine Wolle gesponnen ist stricke ich Clogs und die werden dann gefilzt.
    Good Luck to me.
    LG Rena

    Antwort schreiben

  2. Antonia Keßelring

    Liebes Wollhuhn, ich stehe tief in deiner Schuld. Ich hatte am heurigen Silvester die Idee, im neuen Jahr spinnen zu lernen. Beim Googeln durchs Netz war ich zunächst ein bisschen entmutigt – überall wurde betont, dass man UNBEDINGT vorher mit der Handspindel üben muss, einen Kurs machen, Spinnräder probespinnen und ganz allgemein ein Jahr darauf hin arbeiten sollte, bis man zum Spinnen mit dem Rad zugelassen wird.
    Dann bin ich auf deinen Beitrag gestoßen und habe spontan beschlossen, es genauso zu zu machen. Mir hat das sofoert eingeleuchtet – stricken hab ich vor fast vierzig Jahren ja auch auf diese Art gelernt. Hab mir ein Kromski Minstrel bestellt, ein paar Videos angeschaut und einfach zu spinnen begonnen. Auch der Tipp, gleich von Anfang an schöne Fasern zu verspinnen, war genau richtig. Und so spinne ich seit drei Monaten glücklich fast jeden Abend und habe es dir zu verdanken, dass ich nicht im deutschen Perfektionsdschungel verloren gegangen bin. DANKE!
    Antonia

    Antwort schreiben

2 Pingbacks

  1. Wollhuhn » Blog Archiv » “Ich will auch spinnen”
  2. Genau vor einem Jahr……. « Herzlich Willkommen in Sonja´s Sockenland

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.